Donnerstag, 19. Mai 2016

Nich blots ‚Döntjes vertellen’

Plattsnacker’s ut Hössen feierten 30. Geburtstag

„De Eekboom“ hat ordentlich zugelegt. Davon konnten sich die „Plattsnacker’s ut Hössen“ und ihre Gäste im Rahmen der Feier zum 30. Geburtstag, die kürzlich im Haus am Landtagsplatz stattfand, bei Musik und Tanz überzeugen. Immerhin um vier Zentimeter ist der Umfang des Stammes direkt
über dem Erdboden gewachsen und mit 13,91 Metern Höhe kamen satte 36 Zentimeter zum Vorjahreswert hinzu. Nur bei den Blättern könnte er einen kleinen Zahn zulegen: 8460 Blätter, das sind nur zehn mehr als 2015.

Mit dem Eekbommäten, gemeinsamem Singen und der Suderburger Volkstanzgruppe wurde ein fröhlicher
Geburtstagsabend im voll besetzten Saal von Familie Gerken eingeläutet. Bevor es nach drinnen ging, musste der Vorsitzende der Plattsnacker’s, Wilhelm Feuerhake, allerdings vor den eifrigen Sängern den Hut ziehen und mit seiner Rede warten, bis auch die letzte Strophe des Niedersachsenliedes verklungen war. So viel Zeit musste sein, auch wenn noch viele Gratulanten zu Wort kommen sollten. Zu diesen gehörte Landrat Dr. Heiko Blume, der ebenso wie Samtgemeindebürgermeister Thomas Schulz mit launigen Worten aufwartete. Auf platt natürlich. „Das Plattdeutsche rührt uns an und das muss seinen Grund haben. Für viele Menschen ist das Plattdeutsche noch die Muttersprache“, so Blume.
Bürgermeister Hans-Hermann Hoff machte seine Sache auch gut. Wie man hörte, hatte er für sein Grußwort eigens Plattdeutsch-Unterricht genommen. „Se wulln dat Plattdüütsch in dat Seborger Land bewoohrn. Un so weer dat de Burtstünn vun ‚Plattdüütsch an´ Kamin’ bi de Plattsnacker’s ut Hössen“, schlug er den Bogen in die Anfangszeit der Plattsnacker, machte aber auch klar, dass „Plattdüütsch nich blots ‚Döntjes vertellen’ bedüüt. Nee, ok vun un över TTIP lett sik dat allerbest op Platt resümeern.“
Die Vorsitzende des Tourismusvereins Suderburger Land, Christine Kohnke-Löbert, ließ lieber die Finger vom Niederdeutschen und überbrachte hochdeutsche Grüße: „Sprache ist viel mehr als Kommunikation, Sprache ist Identität, Sprache ist Geborgenheit und Heimat“, so Kohnke-Löbert, die ebenso wie Pastor Helmut Koopsingraven an Louis Harms, den charismatischen Prediger der Hermannsburger Mission, erinnerte. Koopsingraven hatte aus gegebenem Anlass für alle Gäste Baumkuchen mitgebracht, denn er hatte statt „Eekbom-mäten“ in der Einladung zunächst „Eekbom-äten“ gelesen.
Zu den Geburtstagsgästen gehörte auch Maria Lembeck, Ansprechpartnerin für den Lüneburgischen Landschaftsverband und seit vielen Jahren engagierte Plattsnackerin und -lehrerin, sowie das „Plattdeutsch-Urgestein“ des Landkreises Uelzen, Carl-Friedrich Bautsch. „Wer zwei Sprachen kann, das ist gewiss, dass das kein Döskopf ist“ zitierte Bautsch eine altbekannte Weisheit.

Dann wurde er aber wieder ernst und rezitierte sich mit dem Gedicht „Muddersprok“ in die Herzen seiner Zuhörer, ebenso wie die jungen Tanzmädchen dies mit ihren fröhlichen Weisen taten.
Fliegender Wechsel auf der Bühne war beim Auftritt der Theatergruppe angesagt, die in „Irenes Backsube“ entführte. Hier fanden doch tatsächlich einige Schlaumeier Mittel und Wege, um
Brot und Brötchen zum Sonderpreis zu ergattern. Das geht so: Man bestellt ein Brot von gestern für morgen und holt es heute schon ab. Da musste auch Irene erstmal drüber sinnieren.

Mit Ursel Mirzwa, Anneliese Fromme und Inge Niemann wurden schließlich drei Damen „der ersten Stunde“ ausgezeichnet. Sie hatten bereits den allerersten
Kaminabend der Plattsnacker begleitet und freuten sich, dass das Plattsnacken auch nach 30 Jahren nichts von seiner Aktualität verloren hat. Den Beweis dafür traten die zehn Absolventen des Plattdeutsch-Lehrganges der Kreisvolkshochschule an, die an diesem Abend ihr Diplom erhielten.

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