Dienstag, 20. Mai 2014

Apfelernte an der Eiche

Nanu, es ist doch gar keine Apfelzeit. Und wieso wachsen die runden, gelbroten Früchte, die hier so schön der Frühjahrssonne glänzen, eigentlich an der jugen Eiche, die hier am Wegesrand zwischen Hansen und Bohlsen wächst? Vom Essen würde ich jedenfalls abraten, denn es handelt sich um Galläpfel. Gallen sind keine Früchte, sondern Wucherungen an Pflanzenteilen, die das Werk der Gallwespen sind.
Nach der Befruchtung kleben die Gallwespenweibchen ihre Eier auf die Oberfläche junger Eichenblätter. Die schlüpfenden Larven benetzen die Blattrippen mit Speichel, dessen Wirkstoffe dazu führen, dass das Blatt rund um die Larve eine Schutzhülle bildet. Darin entwickelt sich gut geschützt die Nachkommenschaft der Gallwespe, die zudem von ihrem Wirt mit Nährstoffen wunderbar "bewirtet" wird.
Wenn der Baum im Herbst seine Blätter abwirft, segeln auch die Gallen auf den Boden, wo sie sich verpuppen. Zum Winterende im Februar schlüpfen dann die Wespen, die nunmehr ihre unbefruchteten Eier an Eichenknospen ablegen - und daraus entwickelt sich dann die kleine, knospenförmige Galle.
Die Eiche allerdings wehrt sich gegen den ungebetenen Gast. Sie produziert jede Menge Gerbstoffe, die die Nährstoffversorgung der Larven blockieren sollen. Deshalb wurde aus den Gallen früher Gallussäure, die zum Gerben von Leder verwendet wird, gewonnen. Außerdem wird aus den Gallen die wertvolle Eisengallus-Tinte hergestellt, die wegen ihrer Lichtechtheit zum Unterzeichnen von Staatsverträgen verwendet wird.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen